Ein halbes Jahr in Togo - Halbzeit des Volontariats

05/03/2024


Ein halbes Jahr in Togo ... 

Six mois au Togo ... // Half a year in Togo ... 

ein stimmiger Sonnenuntergang


Halbzeit des Freiwilligendienstes

Seit Ende Februar befinde ich mich in der zweiten Hälfte meines Volontariats in Togo. Das bedeutet, dass ich mich schon sechs Monate in Togo aufhalte (von September bis Februar) und mir nun sechs Monate bevorstehen!! Und aktuell sind meine Gefühle zwiegespalten. Einerseits freue ich mich, dass ich schon so viel erlebt habe und vor allem, dass ich noch ein ganzes halbes Jahr in Togo verbringen kann. Dafür bin ich sehr dankbar. Andererseits bin ich auch etwas traurig, dass die Hälfte meines Freiwilligendienstes schon herum ist und sich das Ende jetzt langsam naht. Aber ich möchte keine schlechte Laune verbreiten, weshalb ich euch nun einen Rückblick gebe über die letzten Monate - mein letzter Beitrag hier liegt ja nun doch etwas länger zurück.

während der Arbeit in unserem Büro im YMCA 

Rückblick: Dezember

Zu Beginn des Dezembers hat uns Carl, ein Volontär des YMCA aus Lomé besucht. Ihm haben wir natürlich das Jugendzentrum des YMCA in Atakpamé gezeigt. Auch das Zentrum von Atakpamé und die Umgebung haben wir gemeinsam erkundet :) 

Einen Großteil des Monats Dezember haben wir uns mit der Planung der Weihnachtsaktion "Noel pour les enfants" ("Weihnachten für Kinder") beschäftigt. Dazu haben wir vorab einen Flyer erstellt, um Spenden gebeten und Materialien besorgt, um die Aktivitäten vorbereiten zu können. Dann haben wir uns intensiv damit beschäftigt, was für ein Programm aufbauen wollen - letztlich waren es zwei gelungene Tage, durch die ungefähr 500 Kindern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert wurde. Wenn ihr Genaueres zu diesem Weihnachtshöhepunkt wissen wollt, dann empfehle ich euch, meinen Beitrag zu "Noel pour les enfants" zu lesen.

"Mama Noel" auf Mission

Sonst haben wir unsere "normale" Arbeit im YMCA fortgeführt. Das heißt montags, haben wir mit unserem Chef, dem Regionalen Sekretär des YMCA-Atakpamé unser wöchentliches Programm besprochen. Dienstags haben wir den Deutschclub im College Saint Albert und mittwochs in der Schule Afeye-Kpota weitergeführt. Kurz vor Weihnachten haben wir natürlich das Thema "Weihnachten" mit in die Deutschstunden mit eingebaut.

Mittwochs und freitags gibt es nach wie vor die Animation, wobei wir mit Kindern im Alter von 5 bis 12 Jahren spielen, um ihnen  Selbstvertrauen, Mut und Perspektiven zu vermitteln. Damit die Partnerschaft zwischen dem YMCA und der Schule Saint Albert (die fast direkt nebeneinander liegen) bestehen bleibt, besuchen wir regelmäßig die Fußballspiele der Jungen- und Mädchenmannschaften, während die älteren Schüler uns bei den Animationen tatkräftig unterstützen.

Leider musste ich im Dezember mehrfach das Krankenhaus aufsuchen, weil ich krank war und Medikamente für meine Genesung benötigte. Da es in Togo keine Arztpraxen oder selbstständige Ärzte gibt, muss man für eine Arztkonsultation ins Krankenhaus gehen. Dies klingt oftmals dann viel schlimmer, als es eigentlich ist. Letztlich lief alles gut :)

das Eingang zum Krankenhaus "Anna Maria"

Rückblick: Januar

Silvester und Neujahr haben meine Mitfreiwillige Paula und ich in Lomé verbracht. Dort haben wir mit den zwei Volontären Carl sowie Jannik und ein paar Animateuren aus Lomé den Übergang ins Jahr 2024 gefeiert. Dort haben wir das zweite Mal bisher in dem gesamten Jahr ein deutsches Essen selbst gekocht: Pfannkuchen. Das war eine sehr willkommene Abwechslung - ohne natürlich die togolesischen Köstlichkeiten zu beleidigen. Wenn ihr mehr über das vielfältige Essen in Togo erfahren wollt, dann schaut doch mal bei meinem Beitrag darüber vorbei.

Das Zwischenseminar

Nach zwei Wochen "normaler" Arbeit im YMCA in Atakpamé ging es Ende Januar für uns vier Freiwillige zum Zwischenseminar des YMA-Ghana und des CVJM-Deutschland. Dieses Seminar fand in einem kleinen Ort namens Koforidua nördlich von Ghanas Hauptstadt Accra statt und eingeladen waren Volontäre verschiedener Organisationen aus Togo, Ghana und Sierra Leone. Natürlich waren auch Mitglieder der YMCA-Ghana zugegen. Wenn wir über unsere Probleme gesprochen haben, konnten sie uns beispielsweise ihre Sicht auf die Situation schildern. So bekamen wir Erklärungen aus ghanaischer Sicht und diese lieferten Gründe, wodurch wir kulturelle Schwierigkeiten nun besser einordnen können. Wir haben die bisher verbrachte Zeit viel reflektiert und der Austausch zwischen Europäern sowie Ghanaern als auch unter uns Volontären hat sehr geholfen, um zu bemerken, dass Probleme überall auftreten und dass man so nicht allein in der Situation ist. Mit der genialen Gruppendynamik haben wir dann energiegeladen über die zukünftigen Monate des Freiwilligendienstes nachgedacht. Dabei haben wir uns Projekte für den YMCA und Aktivitäten überlegt, die wir gerne umsetzen wollen.

ein Gruppenfoto aller Teilnehmer des Zwischenseminars

Unser Urlaub in Ghana

Nach dem Seminar sind wir vier noch in Ghana geblieben für eine Woche und sind ein bisschen herumgereist. Anfangs haben wir uns Accra, die Hauptstadt Ghanas angeschaut. Natürlich durften wir da die Accra Mall mit den viel zu teuren und "westlich" bzw. europäisch und US-amerikanisch orientierten Kleidungsgeschäften und Fast-Food-Ketten nicht entgehen lassen. 

Außerdem haben wir uns eine Sklavenburg in Accra angeschaut. Dort wurden ab dem 17. Jahrhundert Ghanaer (allgemein gefasst; aber richtig formuliert weit über 100 verschiedene Ethnien) dort als Sklaven unter menschenunwürdigen Bedingungen gehalten. Wenn sie die Folter über mehrere Monate überlebt haben, wurden sie über See verschifft und beispielsweise in die USA gebracht, wo sie weiter als Sklaven lebten bzw. existierten. Diese Sklavenburg kann man heute besichtigen und wird von einem Guide herumgeführt oder man entdeckt sie auf dem 50-Cedi-Schein. 

die Sklavenburg in Accra

Danach ging es für uns nach Cape Coast. Dort haben wir den Strand besucht und die Stadt erkundet. 

eine Stadterkundung von Cape Coast

Wir haben auch einen sogenannten "Canopy Walk" gemacht. Dies ist eine Wanderung über Hängebrücken, über die man in einer Höhe von bis zu 40 m läuft und dabei die Schönheit des ghanaischen Regenwalds genießt. 

wir vier auf einer Hängebrücke im ghanaischen Regenwald

Anschließend haben wir noch eine andere Sklavenburg mit dem Namen "Elmina Castle" besichtigt. Um den Rausch des Meeres vollends auf uns wirken zu lassen, sind wir nach Kokrobite gefahren und haben dort versucht, surfen zu lernen. Dies hat eher mäßig gut geklappt, hat dafür aber umso mehr Spaß gemacht. Leider hat sich dann unser Urlaub dem Ende zugeneigt und wir sind zurück nach Lomé, Togo gefahren.


wir vier nach unserer Surfstunde 

am ghanaischen Strand

Rückblick: Februar

Besuch meiner Familie

Am 04. Februar sind meine Eltern sowie meine kleine Schwester aus Deutschland angereist und mit ihnen habe ich zwei sehr spannende Wochen in Togo erlebt. Zu Beginn waren wir für ein paar Tage in Lomé. Dort haben wir uns den Grand Marché (Großmarkt) angeschaut, sowie den Platz der Unabhängigkeit, den Strand, das YMCA-Zentrum und das Nationalmuseum. Danach sind wir nach Atakpamé gefahren. Übrigens ist es in Togo (und anderen westafrikanischen Ländern auch) gang und gäbe, dass vier Personen auf der Rückbank und zwei Personen auf dem Beifahrersitz in einem normalen Auto sitzen. So ist es sehr "kuschelig" und man schwitzt zusammen bei 35 Grad aufwärts ...

ich mit meiner Familie vor dem "Platz der Unabhängigkeit Togos" in Lomé,

dahinter sieht man das teuerste Hotel Togos - das "Hotel 2 Février Lomé"

In Atakpamé haben wir natürlich auch den Markt im Zentrum der Stadt angeschaut. Danach ging es zur Kathedrale von Atakpamé, die die größte Kirche ihrer Art in der Region Plateaux ist. Anschließend haben wir den Zoo und einen Wasserfall nicht weit von Atakpamé besucht. Selbstverständlich haben wir auch Kleidungsstoffe, die man hier Pagne nennt, gekauft und haben uns bei Schneidern Kleider machen lassen. Als meine Familie wieder Togo verlassen hat, habe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Zeit zurückgeblickt. Es war wundervoll, sie nach einer Zeit der Absenz zu sehen und es ist schade, wenn man seine geliebten Personen relativ schnell wieder verabschieden muss. Doch wir haben die Zeit genossen und aktuell freue ich mich, dass mir noch ein halbes Jahr gegeben ist, bis ich sie wieder in meine Arme schließen kann.

mit meiner Familie vor dem Wasserfall

Thema Wasser

Nebenbei beschäftigt uns hier das Thema Wasser. Seit Dezember hat es bis Mitte Februar kein einziges Mal geregnet. Dies lag an dem Wind "Harmattan", der von der Wüste Sand in Richtung Süden (und somit Richtung Togo) weht. Dadurch ist die Luft deutlich trockener, diesiger sowie staubig und es gab für drei Monate durchgehend keinen Regen. Mitte Februar hat es dann das erste Mal geregnet und alle Menschen haben Behälter aufgestellt und mit Wasser gefüllt. Nun hat der Übergang in die Trockenzeit begonnen, in der es nicht mehr so staubig ist, dafür aber wieder wärmer mit mehr Sonneneinstrahlung. Im Hinblick auf April soll dann die Regenzeit beginnen - ich bin gespannt. 



Wenn man diese beiden Fotos von Atakpamé vergleicht, sieht man sehr deutlich, dass man im oberen Foto deutlich weniger weit sehen kann als im unteren Foto und dass es diesiger ist.

Passend dazu gibt es hier in Atakpamé und ganz Togo das Phänomen, dass die Stadt bzw. die Städte regelmäßig das fließende Wasser abdrehen. Am Anfang war es so ein bis zweimal die Woche. Doch seit Anfang 2024 sind wir froh, wenn es einen Vormittag in der Woche für drei Stunden fließendes Wasser gibt. Einerseits liegt das Abdrehen des Wassers an den Wasservorräten, die immer geringer werden. Andererseits sieht man dadurch täglich Menschen, die mit Wasserbehältern und Kanistern durch die Stadt laufen - jeder sucht und braucht Wasser zum täglichen Überleben. Dadurch habe ich intensiver zu schätzen gelernt, dass man in Deutschland jeden Tag viel Wasser zur Verfügung hat und die Unterschiede in Bezug auf die Verfügbarkeit von Wasser gravierend sind und den Alltag maßgeblich beeinflussen.

Wasserkanister

Zurück zur Arbeit

Am Montag, den 19.02. fing schließlich gemeinsam für Paula und mich die Arbeit im YMCA wieder an. Die Animationen liefen gut an, aber die Deutschclubs konnten u. A. aufgrund von Fußballspielen noch nicht fortgesetzt werden. Stattdessen versuchen wir jeden Samstag Morgen ab um 6 Uhr Sport zu machen. Wir müssen uns dazu selbst motivieren, was manchmal mehr und manchmal weniger klappt.

Zusätzlich gibt es in der Zeit um Ostern eine Aktivität, die "KiBiWo" heißt. Zu viel will ich darüber noch nicht berichten, weil die Planung des Programms und aller Dinge darum herum mitten im Gang ist. Doch es wird mehrere Tage Spiel und Spaß für Kinder sowie eine Art der "Aufklärung" (nicht das passende Wort) zum Osterfest geben. Das war ein kleiner Ausblick in die nahe Zukunft meines Freiwilligendienstes und was danach folgt, werde ich euch natürlich nicht vorenthalten :)

während der Arbeit in unserem Büro im YMCA

Ich wünsche euch einen angenehmen Start in den Monat Mars! 

Eysandé (Éwé für bis später), 

eure Margareta in Atakpamé



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